
»Für mich spiegelt Lunaris einen Zustand des Seins. Eine nächtliche Stimmung
und einen Raum für Innenschau und stilles Leuchten.«
Bruce Liu
Mit Werken von Chopin, Beethoven, Debussy, J. S. Bach, Agnes Obel, Mompou, Skrjabin, Cage u.a.
Das Album erscheint am 7. August 2026
»Lius Interpretation verband poetische Feinsinnigkeit mit technischer Finesse«
Bachtrack über Tschaikowskys Die Jahreszeiten in der Carnegie Hall, Januar 2025
Der chinesisch-kanadische Pianist Bruce Liu gewann 2021 mit gerade einmal 24 Jahren den Internationalen Chopin-Wettbewerb, im Jahr darauf unterzeichnete er einen Vertrag bei Deutsche Grammophon. Seither hat er sich durch herausragende Auftritte in den renommiertesten Konzerthäusern sowie gefeierte Aufnahmen für das Gelblabel als einer der bekanntesten Klassikkünstler seiner Generation etabliert. Auf sein DG-Debüt Waves: Music by Rameau · Ravel · Alkan folgte The Seasons – beide Alben wurden von der Kritik begeistert aufgenommen.
Mit Lunaris legt Liu nun ein poetisches Konzeptalbum vor – Musik über die Nacht und den Mond. »In der Nacht treffen Reflexion und Kreativität aufeinander«, sagt er. »Die Idee zu Lunaris kam mir als Wort, es klingt vertraut und geheimnisvoll zugleich. Die Wurzel ›luna‹ evoziert den Mond, die Nacht und ein ganz bestimmtes Licht, das indirekt und intim ist. ›Lunaris‹ fasst jene Stunden, in denen die äußere Welt zur Ruhe kommt und die innere einen Raum öffnet für die Vorstellungskraft, für die Empfindsamkeit und für eine andere Wahrnehmung der Zeit.«
Liu spielt Beethovens »Mondscheinsonate« und »Waldsteinsonate«, Skrjabins Vierte Klaviersonate, Debussys Rêverie sowie Musik von J.S. Bach, Mompou, Cage, Ligeti und der dänischen Singer-Songwriterin Agnes Obel. Das Album erscheint am 7. August 2026 in allen Formaten. Auf Vinyl und digital sind außerdem »Hivernale« aus Hahns Le rossignol éperdu sowie das erste Stück aus Schönbergs 6 kleine Klavierstücke zu hören. Rêverie kommt als Single am 29. Mai heraus, gefolgt vom Schlusssatz der »Mondscheinsonate« am 26. Juni und von Mompous Glossa sobre »Au clair de la lune« am 17. Juli.
In den Monaten vor dem Chopin-Wettbewerb kamen Liu viele seiner besten musikalischen Einfälle im Traum, wie er feststellte, und auch heute arbeitet er trotz seiner Konzerte nicht selten bis tief in die Nacht. »Oft ist das die einzige Zeit der Stille und Konzentration, sie ist zeitlos im Grunde«, sagt er. Genau diese Erfahrung der ungestörten Arbeit zur nächtlichen Stunde hat ihn zu einem Album über Mondlicht und Träume, Dunkelheit und Dämmerung inspiriert.
Beeinflusst wurde Liu auch von der Lyrik Baudelaires und Verlaines, den nächtlichen Landschaften Friedrichs, den Interieurs Hammershøis, von Dalís Die Beständigkeit der Erinnerung und besonders von Magrittes Das Reich der Lichter. »Während der Arbeit am Album dachte ich sehr bildhaft«, sagt er. »Magrittes Gemälde war für mich sofort wie ein Spiegel des Albums. Das Nebeneinander von Tag und Nacht, das Licht inmitten der Nacht – das wurde zu einem starken poetischen Schlüssel zum Konzept. Bei alldem ist mir wichtig, dass die innere Landschaft grenzenlos wird.«
Liu konzipierte Lunaris um eine »Konstellation« aus Werken von Chopin, Beethoven und Skrjabin – ergänzt durch Werke verwandter Klangfarbe und Stimmung. Die so entstandene Abfolge »innerer Landschaften« zeichnet einen klaren Bogen »von der menschlichen, intimen Welt hin zu etwas Leuchtendem, von der Erde zum inneren Kosmos«.
Als Eröffnung wählte er Chopins Nocturne op. 27 Nr. 2. Durch die Tonart teilt es ein »Gravitationszentrum« mit dem folgenden Werk, der »Mondscheinsonate« – Des und Cis sind enharmonisch identisch, »doch die emotionale Verwandlung zwischen ihnen wirkt wie eine zweite Schöpfung«. Nach Debussys Rêverie folgt der Übergang vom Menschlichen zum »transparenten und unpersönlichen« Aspekt der Nacht, mit Silotis Bearbeitung eines Bach-Präludiums.
Diese Leuchtkraft und Schwebe finden sich auch in Agnes Obels Tokka, dessen sich wiederholende Töne »eine Art zeitloses Atmen« heraufbeschwören – und in Mompous zwei ebenso zarten Bearbeitungen des Volkslieds Au clair de la lune. »Auf einem Album mit sehr bekannten Werken waren mir diese Momente intimer Offenbarung wichtig«, sagt Liu.
Die »Waldsteinsonate« (auch »Aurora« oder »Morgenröte« genannt) und Skrjabins Vierte Klaviersonate führen beide aus der Dunkelheit ins Licht. Skrjabins Vierte wollte Liu schon immer aufnehmen: »Obwohl sie kein Nachtstück im traditionellen Sinn ist, verkörpert sie jenen Moment, in dem sich die nächtliche Welt zu etwas Kosmischem und Visionärem öffnet.«
Lunaris endet mit Cages hypnotischem Dream: »Nach dem Bogen, den das Album schlägt, wirkt Dream wie ein Ort, an dem sich die Schwerkraft ganz auflöst. Deshalb wählte ich es als letztes Stück: Der Bogen schließt sich nicht, er bleibt offen.«
Bruce Liu gibt in diesem Sommer Klavierabende mit Werken des Albums. Alle Konzerte finden Sie hier.